beschreibt die Theorie, dass nahezu jeder Mensch in Europa per mitochondrialer DNA einer von sieben Urmüttern zugewiesen werden kann, von der er abstammt. 

Bryan Sykes führt in seinem gleichnamigen Buch Völkerwanderungen auf die Out-of-Africa-Theorie zurück und widerlegt Thor Heyerdahls Theorie über die Besiedlung der polynesischen Inselgruppe, die nicht von Südamerika aus erfolgte, sondern aus Südostasien. Außerdem stellt er den genetischen Aufbau des modernen Europas fest.

In derr mitochondriellen Genetik erfolgt die Klassifikation aller neuzeitlichen Menschen in mitochondrielle Haplogruppen. Die ursprünglichen Jäger- und Sammlergesellschaften wandelten sich – beginnend in Kleinasien etwa 10.000 v. Chr. – zu sesshaften Gesellschaften, die Ackerbau und Viehzucht betrieben. Gruppen dieser wegen der verbesserten Nahrungsgewinnung stark anwachsenden Gesellschaften zogen nach Europa und, so nahm man an, vertrieben ansässige Jäger und Sammler. Verschiedene Forscher analysierten die mitochondriale DNA tausender Europäer, welche nur von Müttern an ihre Kinder weitervererbt wird, nicht aber von Vätern, und fand dabei gewisse Parallelen in der Abfolge der DNA-Sequenzen, so dass er diese in Gruppen einteilen konnte. Jede dieser Gruppen waren untereinander ähnlicher als die entsprechenden Sequenzen aus Afrika, Asien oder Amerika. Da die Mutationsrate mitochondrialer DNA relativ gering ist (alle 20.000 Jahre einmal), lässt sich dadurch das Alter der jeweiligen Urmutter, bzw. das der Haplogruppen, bestimmen. Sechs der sieben Urmütter sind wesentlich älter als 10.000 Jahre, eine ist 10.000 Jahre alt. Diese siebte ist außerdem bei 20 % der Europäer zu finden, das heißt, dass nur 20 % aller heutigen Europäer in direkter mütterlicher Linie von den Bauern aus Kleinasien abstammen. Daraus folgt, dass der Rest der neuzeitlichen Europäer von besagten Jägern und Sammlern abstammen, die eben nicht vertrieben worden sind, sondern den Ackerbau und die Viehzucht von den Einwanderern erlernten.

Jede Haplogruppe ist durch bestimmte charakteristische Mutationen der mitochondriellen Genome definiert und kann entlang des mütterlichen Stammbaums zu einer bestimmten urgeschichtlichen Frau zurückverfolgt werden. Sykes bezieht sich auf diese Frauen als Urmütter, die aber nicht alle gleichzeitig lebten.

Alle diese Frauen teilten sich eine gemeinsame Vorfahrin, die sogenannte Eva der Mitochondrien. Bryan Sykes behauptet, dass es sieben mitochondriale Abstammungslinien für die neuzeitlichen Europäer gibt (andere jedoch schätzen diese Zahl auf elf oder zwölf) und spricht hier von den „sieben Töchtern Evas“. Die Anzahl der mitochondrialen Abstammungslinien für die gesamte Weltbevölkerung (im Gegensatz zu der für die Europäer) ist beträchtlich größer.

Jede der sieben Urmütter entspricht einer der menschlichen mitochondrialen Haplogruppen. Sykes geht in seinem Buch näher auf diese Haplogruppen ein, indem er jeder Urmutter-Haplogruppe einen konkreten Frauennamen zuordnet und eine kurze Lebens- und Umgebungsbeschreibung beifügt, die sich aus dem heutigen Wissen über die geographischen und anthropologischen Gegebenheiten in der entsprechenden Zeitepoche ergibt.

Bei der Bezeichnung Urmutter sollte man sich im Klaren sein, dass sie sich nur auf die Vererbung der Mitochondrien bezieht. Diese besitzen zwar ein eigenes Genom, allerdings macht es nur etwa ein Prozent der genetischen Information des Menschen aus. Der Großteil der menschlichen Erbinformationen liegt im Zellkern und ist ein Gemisch aus Genomen zahlloser Ur-Ur-Ur…großmütter und -väter. Hinzu kommen noch zufällige Mutationen. Genetische Verwandtschaft heißt also nicht nur dieselbe – oder eine sehr ähnliche – mitochondriale DNA wie eine andere Person zu besitzen, sondern geht weit darüber hinaus. 

Literatur: Bryan Sykes: Die sieben Töchter Evas, Lübbe-Verlag, Juni 2001, ISBN 3-7857-2060-2


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Quelle: → Wikipedia [Stand 10.11.2017]

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